Katzenleben Wildkatzenhybride

Verwirrung über Ashera Cat: Einzigartiges Lifestyle-Accessoire, neue Rasse oder völliger Schwindel?

Hybridkatzen stehen aktuell im Fokus – die Reaktionen auf die neuen Katzenrassen erstrecken sich über Entsetzen bis zu Faszination und Bewunderung. In unserem Artikel über Wildkatzenhybride vom 29. Oktober 2010 berichteten wir über Ashera-Cats, eine Kreuzung zwischen  afrikanischen Serval, asiatischem Leoparden und domestizierten Katzen. Der Hinweis einer Leserin lies uns weiter nachforschen: Um Informationen über die neuartige Designer-Katze zu sammeln, wagten wir einen Ausflug in den amerikanischen Mediensumpf. Die erhofften Informationen über die Ashera waren dort rar – dafür konnten wir umso mehr über den Erfinder der Asheras, das Streben nach einer wahrhaft neuartigen Rasse und den Kampf mit den Medien erfahren.

Manchmal wird man vor lauter Recherche blind und übersieht das Naheliegenste. Passiert so im Falle unserer Recherche zu Wildkatzenhybriden.  Ein großer Fehler, denn sonst wären wir auf Berichte über DNA-Tests mit angeblichen Ashera-Cats gestoßen, die Interessantes zu Tage brachten: Die getesteten Ashera sind verschiedener Medienberichte zufolge angeblich Savannah F1-Katzen. Laut der Firma Lifestyle-Pets, die ihr Geld mit Hybrid-Katzen sowie Katzen für Katzenhaarallergiker verdient, ist natürlich alles ganz anders… Die Wahrheit liegt wohl wie immer irgendwo dazwischen. Wir haben dennoch versucht, nachzuforschen und etwas Licht in den Medienrummel um die Ashera zu bringen.

2006: Schon im Jahr 2006 waren Berichte über die geplante Ashera-Zucht, angebliche Kreuzungen zwischen Serval und Leopard und laut LifestylePets ein „Geheimrezept exotischer Blutlinien“, und Zweifel amerikanischer Züchter publik geworden (zum Artikel). Der Konzern Allerca Inc., auch bekannt als Lifestyle Pets, hatte damals unter falschem Namen versucht, mehrere Savannah-Katzen von einer Züchterin in Chicago zu erstehen. Der Deal platzte, die Erklärung des Unternehmens für die Vorspielung falscher Tatsachen war einfach: Man hätte die Katzen zu Zuchtzwecken gebraucht und die wahre Indentität der Käufer verschleiert, um den Preis der Tiere nicht künstlich in die Höhe zu treiben. Man würde sich unspezifischer genetischer Techniken sowie drei verschiedener Rassen zur Schaffung der Ashera bedienen – diese würde der Savannah zwar ähnlich sehen, sei aber keine Savannah. Die Firma plante auch ein Franchise-Konzept mit Ashera und hyperallergenen Katzen.

November 2007: Spiegel Online berichtet über die Ashera Cats und macht sie auch im deutschsprachigen Raum bekannt.

17. Januar 2008: Ein Artikel der amerikanischen Journalistin Penni Crabtree im San Diego Union Tribune berichtet über die Beschlagnahmung dreier in die Niederlande verkauften „Ashera“-Katzen durch den holländischen Zoll. Die Behörden wollten per DNA-Test untersuchen, ob der Handel mit diesen Katzen internationale Artenschutzbestimmungen verletzt. Ein Züchter hatte verlauten lassen, dass mindestens zwei der drei Tiere keine Ashera sind, sondern Savannah F1, Kreuzungen zwischen Serval und einer Ägyptischen Mau – die Katzen seien von ihm aufgezogen und aufgekauft worden. Die genetischen Tests bestätigen dieses: Die beschlagnahmten Katzen waren tatsächlich Kitten des amerikanischen Züchters Chris Shirk und keine Asheras.

28. Januar 2008: Simon Brodie, Gründer von LifestylePets und 1994 in Großbritannien aufgrund Betrugs bei einer seiner vorherigen Firmen angeklagt, veröffentlicht eine Pressemitteilung. Laut seiner Aussage habe sich Penni Crabtree, Autorin mehrer kritischer Artikel über Allerca, von einer Konkurrenzfirma namens Idexx Laboratories für den Artikel über die beschlagnahmten Ashera-Cats bezahlen lassen, um ihn zu diskreditieren.
Beim Streit mit Idexx Laboratories ging es noch nicht einmal um Hybridkatzen, sondern um eine weitere Firmengründung im Tierbereich – und die Wurzeln reichen Jahre zurück: Brodies Firma CYNTEGRA, eine veterinärmedizinische Diagnostik-Firma, hatte laut einem Artikel auf Medical News Today vom 6. Dezember 2006 während Ausbruchs der Vogelgrippe eine einstweilige Verfügung Idexx ersucht. CYNTEGRA habe laut eigener Aussage einen neuartigen Test für die Vogelgrippe bei Hunden und Katzen entwickelt, der eine Tötung dieser Tiere aus Angst vor Ansteckung unnötig mache. Der Markteintritt dieses Testes sei laut CYNTEGRA durch angebliche Einschüchterungen der Tierärzte von Seiten Indexx verhindert worden (Quelle: Medicalnewstoday).  Nur ein kleines Beispiel aus Brodies Geschäftshistorie.

Ähnliche Beschuldigungen wie gegen Penni Crabtree bringt Simon Brodie auch gegen die Journalistin Kerry Grens vom amerikanischen Magazin „The Scientist“ vor. Grens hatte im Jahr 2007 einen kritischen Artikel zu den hypoallergenen Katzen von Allerca veröffentlicht. Beweise für die Anschuldigungen gegen beide Journalistinnen konnten nicht gefunden und der Verdacht nicht bestätigt werden.

Kurz danach gründet Brodie eine neue Firma namens FlexPetz, eine Leasing-Firma für Hunde und ergänzt damit sein Portofolio „tierischer“ Firmen. Kurz gründet Brodie angeblich unter falschem Namen eine Ski-Firma. Brodies Homepage https://www.simonbrodie.com selbst scheint seit Jahren nicht mehr gepflegt zu werden. Das Thema Ashera Cats scheint ebenfalls im Sande zu verlaufen: Auf der Homepage von LifestylePets ist mittlerweile nichts mehr von der neuartigen Katzenrasse zu lesen.

Fazit

Alles in allem gestalten sich die Recherchen zu diesem Thema mehr als schwierig – und so konnten wir auch nach einer eingehenden Recherche keine offiziellen Daten zur Ashera sammeln und können kein abschließendes Urteil über das Bestehen oder Nicht-Bestehen dieser Rasse ziehen. Die wenigen englischsprachigen und im Text verlinkten Quellen drehen sich mehr um die Person des LifestylePets-Gründers sowie seine zahlreichen Geschäftsideen (Artikel in „The Scientist“) als um die neuartige Katzenrasse. Ohne den amerikanischen Medienmarkt zu kennen sind objektive Quellen nur schwer auszumachen, der Großteil der Artikel erstreckt sich über kleine Online-Magazine und Blogs. Deutschsprachige Quellen scheint es nicht zu geben. Dementsprechend haben wir versucht, diesen Artikel als einen kleinen Zusammenschnitt unserer Recherchen zu gestalten – wir maßen uns nicht an, die Wahrheit zum Thema Ashera herausfinden zu können, noch möchten wir LifestylePets oder Gründer Simon Brodie diskreditieren.

Quellen teilweise im Text verlinkt.

Zum Weiterlesen:

Artikel „Wildkatzenhybride – Katzenrassen auf dem schmalen Grad zwischen Faszination und Artenschutz